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Kategorie: Einsatzabteilung, Allgemein, Presseberichte
15.10.2009 12:37

Brandschützer in der Bredouille

Von:  Sören Seng
Egelsbach - Die Feuerwehr bekommt ein neues Tanklöschfahrzeug, ihr Domizil in der Frankfurter Straße einen weiteren Anbau mit Abstell- und Lagerfläche plus Fahrzeug-Waschanlage. Zwei kostspielige Projekte mit einem Budget von rund 900 000 Euro. Von Holger Borchard

Im 60er- Jahre- Bau an der Frankfurter Straße ist es der Egelsbacher Wehr längst viel zu eng. Ein weiterer Anbau soll Abhilfe schaffen – die letzte Erweiterungsmöglichkeit auf dem Grundstück.

Geld, das Egelsbach nicht hat. Die große Mehrheit der Gemeindevertreter hat dennoch grünes Licht für das Investitionspaket im Jahr 2010 gegeben – und dafür gibt es gleich mehrere handfeste Gründe.

Den Stein ins Rollen brachte der so genannte Brandschutzbedarfs- und Entwicklungsplan. „Die Gemeinde steht per Gesetz in der Pflicht, einen derartigen Plan zu erstellen – erstmals hat sie es für die Jahre 2004 bis 2008 getan – und diesen kontinuierlich fortzuschreiben“, betont Gemeindebrandinspektor Peter Meißner. Nur so könne man den veränderten Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr durch Bautätigkeit, Zuzug etc. Rechnung tragen.

Im Zuge der aktuellen Prüfung flatterte Post vom Kreis ins Rathaus, die die Gemeinde zum Reagieren zwingt. Erster „Problemfall“: der Flugplatz. Die Wehr muss für alle erdenklichen Szenarien rund um Deutschlands größten Verkehrslandeplatz gewappnet sein – streng nach Vorschrift versteht sich. „Es geht um die Löschwassermenge, die uns im Ernstfall in den ersten Minuten zur Verfügung stünde, bis eine kontinuierliche Versorgung zur Entnahmestelle aufgebaut ist“, sagt Meißner. „Hier sehen die übergeordneten Behörden bei unseren zwei aktuellen Tankwagen mit 1 200 und 2 000 Litern Kapazität ein Problem, das aus ihrer Sicht nur durch ein weiteres Fahrzeug mit mindestens 4 000 Litern Kapazität zu lösen ist.“

Hausgemacht“ ist dagegen das zweite Manko: Im 60er- Jahre- Bau an der Frankfurter Straße hat die Wehr längst nicht mehr genug Platz. Weil sie notgedrungen einen Teil der Ausrüstung rund um die Einsatzfahrzeuge lagert, trifft sie kurioserweise der Vorwurf, sie missachte ausgerechnet im eigenen Haus Brandschutzauflagen. Abgesehen davon muss immer mindestens ein Fahrzeug im Freien abgestellt werden, was sensible Technik schon öfters krumm genommen hat. Als wäre es ein Fingerzeig: Gerade erst gestern musste das Fahrzeug, das im Freien stand, mit einem Defekt in die Werkstatt.

Gemeinde hofft auf annähernde Kostenhalbierung

Die kostspieligen Antworten auf Gesetze, Bestimmungen und Empfehlungen zumindest etwas erträglicher macht die Aussicht auf Zuschüsse. Bei geschätzten 355 000 Euro fürs neue Fahrzeug sowie 540 000 Euro für den zweigeschossigen Anbau hofft die Gemeinde auf zwei Landeszuschüsse in Höhe von 195 000 beziehungsweise 234 000 Euro, sprich auf annähernde Kostenhalbierung.

Nicht zuletzt diese Rechnung dürfte dafür gesorgt haben, dass fast alle Fraktionen der laut Beschlussvorlage „unvermeidlichen“ Ausgabe zustimmten. Einzig die Grünen votierten dagegen. Sie sehen gemäß „Verursacherprinzip“ die Flugplatz- GmbH in der Pflicht, sich an den Kosten des Löschfahrzeugs zu beteiligen. „Ist das Löschwasserfahrzeug unbedingt notwendig für einen sicheren Betrieb des Flugplatzes“, fragte Grünen- Chef Harald Eßer. „Wenn es unbedingt notwendig ist, wie hoch ist dann im Moment die Gefahr, kann man mit der Anschaffung überhaupt bis Sommer 2011 warten – und muss die HFG sich beteiligen?“

Das ist zwar ein konstruierter Vorwurf, aber ich bin wegen der Anschaffung in Kontakt mit der HFG getreten“, entgegnete Bürgermeister Rudi Moritz. Ob er schon eine Antwort erhalten habe?, fasste Eßer nach. „Bis jetzt nicht“, erwiderte Moritz.

Doch nicht nur aus Sicht des Bürgermeisters sind die Grünen mit ihrem Lieblingsthema diesmal schief gewickelt. „Es geht hier nicht allein um den Flugplatz und dessen Betreibergesellschaft, sondern um alle Betriebe und Anlieger im Geltungsbereich des Sondergebiets Flugplatz“, macht Peter Meißner deutlich. „Da sind die Tierherberge und die Polizeihubschrauberstaffel genau so zu nennen und allen voran die Firma Röder, die besonderen Störfall- Richtlinien unterworfen ist. Abgesehen davon sind die Pläne zukunftsorientiert und die Rettungsvorschriften unmissverständlich.“

Anmerkung zum o. g. Bericht:

Bei der oben genannten "Waschanlage" handelt es sich um einen zusätzlichen Stellplatz, für das Fahrzeug, das bereis seit langer Zeit auf dem Hof steht. Der Stellplatz soll auch als > Wasch- und Pflegehalle< dienen. Bisher wurden die Fahrzeuge und die kontaminierte Geräte auf dem Hof gewaschen. Hier wurde nur ein Synergieeffekt genutzt. Ansonsten entspricht der Bericht den Tatsachen.

Peter Meißner, Gemeindebrandinspektor 

© Strohfeldt